Zuza

About

Contact

all about dogs, Dogs

Von Elfen und anderen Abrissbirnen

Vor knapp einer Woche landete ein kleines, plüschiges Etwas mit Eiszapfen am Maul und einer fetten Blasenentzündung bei mir. Irgendwie so eine Mischung aus Kuh, Eisbär und Hund.

Seitdem hat sich mein Leben noch einmal ein gutes Stück verändert. Hatte ich bisher gedacht, ich hätte bereits einen Hund, so bin ich mir dessen nicht mehr so sicher. JETZT habe ich einen Hund. Er läuft prima an der Leine, achtet auf mich und genießt jede Streicheleinheit. Und was ist nun das, was ich dachte, es sei mein Ersthund? Wohl doch eher eine Mischung aus Katze (fehlt eigentlich nur noch das Miauen), Affe (sie spinnt und klettert gern) und Kröte. Naja und Hund halt anatomisch gesehen wohl auch.

Obwohl beide von ihrer Physiognomie her ähnlich sind, einmal 7 kg, einmal 9 kg, könnten beide kaum unterschiedlicher sein.
15879127_714243968740597_553046146_n
Bei Zuza – meiner Erst“hündin“ – reicht beispielsweise eine Papiertüte als unüberwindbares Hindernis, bei Lajla gilt vielmehr: ist es nicht aus Beton, komm ich da durch. Ein 9-kg-Mini-Bulldozer trifft hier auf eine 7-kg-fröhlich-trippelnde-Elfe. Wobei fröhlich auch relativ zu sehen ist. Fröhlich ist Zuza wenn sie im Freilaufgebiet ihrem inneren Windhund frönen darf und Gas gibt. Fröhlich ist Zuza, wenn sie NICHT Gassi gehen muss. Schon gleich gar nicht im Winter und um Silvester rum. Da wird das Geschäft erledigt als sei sie Flash der Blitz. Und im Handumdrehen möchte sie dann auch bitteschön wieder zurück. Sieht dann meist so aus, dass ich die Leine festhalte, ihre „Räder“ erstmal durchdrehen, wie beim Auto auf Eis, und nach fünf Minuten ergibt sie sich ihrem Schicksal. Widerwillig. Denn WIDERWILLIG kann Madame Kratzbürste auch echt gut. Wenn dich ein Hund deutlich hassen kann, dann Zuza, die olle Diva. Oh fast vergessen, Zuza ist auch sehr fröhlich, wenn sie dir mit der Pfote ins Gesicht klatschen kann – vor Freude natürlich. Aus dem Stand springt der 40-cm-Floh denn auch mal locker 190 cm hoch.
15878819_713235708841423_445007600_n(1)
Lajla dagegen ist eigentlich immer fröhlich, vor allem wenn man sie ausgiebig knuddelt und streichelt, als ob es kein Morgen gäbe. Und walzt gern alles nieder. Für sie ist das auch n Partyspiel, dass sich Zuza immer gern unterm Bett verkriecht. Und um die Party natürlich erst richtig zur Party zu machen, schmeißt sich Lajla gemäß dem Abrissbirnen-Prinzip einfach mal mit Anlauf unters Bett – egal, ob ich das jetzt zugebaut habe, weil mir der „Spaß“ zu blöd wurde, oder nicht. Wenns gracht geht’s no an Medda, wie ein bayerisches Sprichwort sagt. (Keine Ahnung wie man das auf bayerisch schreibt, übersetzt heißt das: wenn es kracht, geht es immer noch mindestens einen Meter weiter).

Heute im Freilaufgebiet wollte ich mal sehen, wie die beiden miteinander können. Wie sich zeigte – prima. Jeder ging nämlich getrennte Wege. Zuza sprintete sofort nach rechts, Lajla guckte bisschen doof und rannte dann gemächlich schnurstracks in die andere Richtung. Hurra! Beide schlossen sich erstmal unterschiedlichen Spielrudeln an – und ich stand doof in der Mitte. Fein gemacht, Frauchen. Alles unter Kontrolle und alles im Blick – wenn ich schielen würde.

 

15910393_714243928740601_173749593_n

Ich trinke jetzt noch ein paar doppelte Espressi, dann klappt das vielleicht auch mit dem Schielen (mit den Nachbarn hab ich das Klappen ja schon aufgegeben).

columns, Work

It´s not you, it´s me

Es liegt nicht an Dir. Ich liebe Dich, wirklich. Ganz wahnsinnig. Klar, ich kann dich auch ganz oft nicht ausstehen, aber das hier, das ist anders.

Ich habe noch nie jemanden so ungern verlassen wie Dich, so lange herausgezögert habe ich einen Abschied auch noch nie. Kurz und schmerzlos waren Trennungen zwar selten, aber das hier, ist irgendwie zu groß für mich.

Ich habe soviel gedacht in den letzten Monaten und noch mehr gefühlt… doch irgendwann fand ich den Aus-Knopf nicht mehr. Immer wenn ich dachte, hey, ja das ist es, war es das doch nicht.

An empty spot in my life... needs to be filled

An empty spot in my life… needs to be filled

Ich konnte es nicht mehr ertragen, wenn mich jemand gefragt hat, wie es mir geht. Was sollte ich denn noch antworten? Same as usual. Tut sich halt nichts. Entweder war ich euphorisch oder zu Tode betrübt, überspitzt gesagt. Meist war ich sogar gut gelaunt, ich liebte die Hunderunden, Zeit mit Zuza, Kaffeetrinken mit Freunden, zusammen zum Sport.  Doch latent war ich immer irgendwie verzweifelt. Zu wenig Schlaf, zuviel Arbeit, zu trostlose Arbeit, zu unterfordernde Arbeit, zu wenig Zeit für Sport (jaaaa tatsächlich), zu wenig Zeit für Zuza und meine Freunde. So einen richtigen Freundeskreis wie damals in Würzburg gab es hier eh nie. Eine ganze Menge liebe Leute, ja, tatsächlich habe ich mich hier nur mit Leuten getroffen, die ichgroßartig fand. Jeden einzelnen von ihnen.
Meine verrückte Perserin, die mit ihrem Gesicht eine Faust machen kann.
Mein bayerischer Zwilling aus dem Nachbardorf, in den ich mich sofort verliebt habe.
Noch ein bayerisches, unfassbar knuffiges (darf ich hier knuffig sagen? Zuckerwattensüß?) Mädel, mit den großen Augen und dem riesen Lächeln – und Zuzas bester Freundin.
Nicht zu vergessen mein meergrünes Opium, das mir plötzlich ziemlich viel bedeutet hat und in dessen Gegenwart ich – so gut es möglich war – zur Ruhe kam.

Aber nichts davon reicht wohl, um mich hier zu halten. Ich habe auf irgendetwas gewartet, was gar nicht kommen kann. Was es ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich aufhören muss, zu warten, dass etwas passiert. Ich hab den Halt verloren. Verloren, wonach ich suchte.

Vielleicht ist es sogar schon passiert und ich habe es nur nicht als „das was ich suchte“ erkannt. Dieses Unabhängigkeitsding, dieses alles allein machen, damit mir ja keiner dreinredet, das funktioniert so nicht mehr.
Ich wollte unbedingt allein wohnen… Jetzt ist der einzige, der da ist, wenn ich nach Hause komme, der Hund, der sich winterbedingt unterm Bett verkriecht. Ich hatte eine Woche Urlaub, von der ich nach 3 Tagen wieder nach Hause kam, weil es nicht das war, was ich in dem Moment gebraucht hätte. Und doch habe ich immens viel aus den drei Tagen mitgenommen. Vielleicht also war es doch das, was ich in dem Moment gebraucht habe.
Etwas wollen und denken, man braucht es kann sich eklatant von dem unterscheiden, was wir wirklich brauchen oder in dem Moment nötig ist.

15416929_697796487052012_27327602_n

An open road… don´t know, where it leads… but I need to go

Und so fange ich an, mich nicht nur von Gegenständen zu verabschieden, sondern auch von Berlin. Berlin ick liebe dir, aber das mit uns beiden… wir brauchen eine Pause. Hallo Bayern. Hallo Land der Berge.

columns, Work

Um Himmels Willen, Kind! Oder wieso ich gerne oft die Klappe halte…

Ich kann das nicht. Der Gedanke kam mir nicht nur gestern beim Mittagessen. Nein, viel viel öfter in letzter Zeit ploppte dieser Satz in meinem Kopf auf – und noch tiefer, in meinem Herzen. Was genau ich nicht kann? Also abgesehen von Putzen und Kochen bestimmt eine ganze Menge noch. Aber darum ging es hier nicht. Ich kann das „normale“ Konzept von arbeiten gehen, konsumieren als „Schmerzensgeld“ und über alles und jeden klagen einfach nicht. Ich passe dort schon lange nicht mehr hin. Der Prozess, den mein Umfeld gern als „diverse Phasen“ abgetan hatte, hat aber im Grunde etwas sehr beharrliches, kontinuierliches an sich gehabt. Und in Berlin kam sehr sehr viel davon zutage. Im Grunde fast alles. Alles, was ich jetzt bin, bin ich schon immer gewesen, aber sichtbar für andere erst seit Berlin. Ich vermisse die Berge, ich möchte zurück in die Heimat, jedoch zweifele ich im Moment immer noch daran, dass Bayern die richtige Heimat für mich ist. Berge gibt es auch woanders. Natur und Ruhe auch. Mir fehlt tatsächlich auch das Bayerische, denn im Bayerischen habe ich wesentlich mehr Vokabeln, die meine Emotionen so präzise ausdrücken, wie es das Hochdeutsche nie könnte. Aber ich fühle mich für Bayern und meine Heimat noch nicht bereit. Zu viele alte Strukturen, zuviel von mir, das ich verteidigen müsste. Gefühlt und vielleicht auch reell. Ich wollte schon immer verstanden werden, und nicht verstanden werden tat mir so sehr in der Seele weh, dass es körperlich schmerzte. Tut es immer noch.

„Um Himmels willen, Kind! Du kannst doch nicht den Fernseher verkaufen!“ -“Zu spät.“

Mein Umfeld denk tatsächlich, mir ginge es schlecht, weil ich den Fernseher verkaufen musste. Ja, verflucht, ich bin wegen Umzug und ein paar anderen Katastrophen jetzt bereits pleite. Passiert mir einmal in fünf Jahren. Nun ist es eben wieder soweit. Typisch Oktober/November. Autosteuer, Versicherung und dieses Mal spontan ein Umzug. Aber: den Fernseher zu verkaufen war jetzt nicht so, als würde ich eine Niere spenden. Eher einen Nierenstein.

Ich miste regelmäßig aus. Kleidung, die ich selten oder länger als ein paar Wochen nicht getragen habe, wird meist einen Tag bewusst Probe getragen und dann verschenkt, verkauft, vertauscht. Hauptsache Ballast abwerfen. Ich will mich nur noch mit Dingen umgeben, die ich mag, zu denen ich einen Bezug habe (meine Kitschtassen vom Bauernmarkt in Portugal!) und die mich nicht an irgendetwas ketten. Beim Umzug musste ich meinen wirklich heiß und innig geliebten goldenen Vintage Kronleuchter in den Keller verbannen. Ich wollte ihn absolut nicht verkaufen. Und nun, vier Wochen später? Finde ich es traurig, dass er im Keller niemanden erfreut. Und wer weiß, wann und ob ich ihn je wieder „brauche“? Also ab in die Kleinanzeigen.

Ich kann und will auch bei Kosmetik keine tausend Tiegel im Bad stehen haben, wozu denn auch? Den schönsten Teint macht immer noch Freude am Leben und frische Luft. Und Freude am Leben bekomme ich wenn ich meinen Hund ansehe, Zeit mit ihm verbringen darf und die Menschen sehe, die mir am Herzen liegen. Und die mich verstehen und genauso akzeptieren. Die auch den Unterschied erkennen, dass es für die meisten Menschen zwar völlig legitim und normal ist, alle paar Wochen zum Friseur zu gehen (man muss sich ja pflegen), ins Fitnessstudio (auch der Körper muss trainiert werden – für meiner Meinung nach ein sehr fragwürdiges, austauschbares Aussehen) ins Nagelstudio (man gönnt sich ja sonst nichts) und hier ein Schnäppchen und da ein Schnäppchen. 10 verschiedene Shampoos rumstehen? Klar, man braucht ja Auswahl. KANN man alles machen. ABER: dann einen halben Herzinfarkt bekommen, wenn ich für ein paar Schuhe (weil das vorherige Paar nach Jahren endgültig den Heldentod starb) mal 200 Euro ausgebe, oder mich die Tätowierung, die das alte Elend überdecken soll (das alte Elend bin nicht ich, sondern die alte Tätowierung, nur mal so nebenbei bemerkt) ein Vermögen kostet? Jo. Klar ist das nicht ohne. Aber dafür kostet mein „Shampoo“ in der Regel äh fast nichts? Weil ich seit Monaten eine Waschnussseife als Shampoo und Duschgel benutze, die unter einem Euro kostet, weil ich Alepposeife auch zum Zähneputzen nehme und meine Klamotten meist 2nd Hand kaufe oder diese schon über 15 Jahre habe (okay, das sind die wenigsten).

Im Grunde war Zuza der Anstoß. Ich wollte, dass sie glücklich ist. Ich glaube, ich wollte niemals zuvor so sehr, dass ein anderes Wesen zufrieden durchs Leben geht, bis ich auf Zuza traf. Und die Erkenntnis, dass Zuza nur dann zufrieden und glücklich leben kann, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, traf mich ziemlich hart. Meine Prioritäten verschoben sich dann nach und nach, jedoch alles ohne inneren oder äußeren Zwang. Es passierte. Ganz natürlich. Dann kam das Bouldern. Und ich begriff meinen Körper plötzlich als wunderbares, kräftiges Werkzeug. Ich fing an, meinen Körper zu lieben – und die Bewegung. Zuza für die Seele, Bouldern für den Körper. Und doch beides untrennbar verbunden. Ich lernte, was ich wollte und was ich nicht wollte.

Ja ich bin ein schräger Wirrkopf mit vielen Macken, aber auch darum liebe ich Berlin. Weil hier viele so sind wie ich.
Ein kleines bisschen wird er mir ja schon fehlen, mein Fernseher… kein Buffy mehr auf 32 Zoll 😀

all about dogs, Dogs

Die Räubertöchter und die Zappelpfote

Für mein kleines Neuröschen brauchte ich langsam aber sicher, um richtig trainieren zu können, ein Sicherheitsgeschirr. Aus JEDEM normalen Geschirr kommt jeder Hund raus – ein Geschirr ist schlicht bequemer (auch bequemer für den Hund, wenn er mal schlicht keinen Bock hat, zu laufen…), aber nicht sicherer. Läuft der Hund in Panik rückwärts, kann er sich durchaus aus dem Geschirr befreien. Zum Glück gibt es spezielle (Tierschutz-)Sicherheitsgeschirre, die einen zweiten Bauchgurt nach dem letzen Rippenbogen haben. So bleibt im Normalfall auch bei einem Hund, der rückwärts weg will, das Geschirr an Ort und Stelle.
Mein erster Versuch, mit selber abmessen und online bestellen, ging gehörig in die Hose. Wo der Fehler lag – ich weiß es nicht. Das Geschirr kam an und passte überhaupt nicht. Allerdings war ich von der Verarbeitung und dem Material (viel zu dick und steif) auch nicht gerade begeistert. Also fragte ich – Facebook sei Dank – in der Hundegruppe nach jemandem, der mir in Berlin das Geschirr anfertigen könnte. Und wurde fündig: Astrid Zappelpfote. Der Kontakt lief problemlos, ich bekam recht zügig einen Termin, erschien und los ging das fröhliche Ausmessen und Auswählen der Materialien. Auch schön, dass man sich alles anschauen und vor allem anfassen konnte. Das Leder weich, das Mesh-Material super leicht und luftig.
Am Ende wurde es ein Geschirr aus braunem Nylon und schwarzem Mesh als Unterlage.
Beim abholen haben wir dann festgestellt, dass der hintere Bauchgurt doch etwas zu eng war – ein Problem, Astrid änderte es ruckzuck und ein paar Tage später konnte ich das Geschirr dann nutzen.

14801146_668903489941312_1567602576_n

Der erste Praxistest war am Grunewaldsee. Wasser, Sand, Wind und etwas Regen – perfekt zum testen. Das Geschirr hielt, der Sand rieselte trocken einfach raus und es sah am Ende aus wie am Anfang. Prima!

14797530_668903486607979_504045996_n

Preislich bin ich auch mehr als begeistert. Für ein Halsband, das Geschirr und ein Klett-Logo mit Zuzas Namen und meiner Handynummer drauf zahlte ich 60 Euro. Für liebevolle Handarbeit und den ganzen Service mehr als in Ordnung. Die Verarbeitung ist einwandfrei, das Material robust und leicht – mehr brauch ich nicht.

Astrid findet ihr auf Facebook und ihrer Homepage.

columns, Work

Balkon-Geschichten oder der Surfer Boy, der nur kuscheln wollte

Während ich diesen Beitrag tippe, sitze ich zwischen gepackten (und noch mehr ungepackten) Kisten. Meine letzte Nacht in dieser Wohnung. Ich bin locker 15 Mal umgezogen, das hier ist der dritte Umzug innerhalb Berlins. Und doch wiegt er am meisten. Bzw. hätte er wiegen können. Noch vor einem Jahr wäre ich ausgerastet vor Freude, endlich hier wegziehen zu können. Dabei liebe ich diese Straße, die anderen Bewohner im Haus und die ganze Gegend. Wer den alten Blog noch in Erinnerung hat, weiß, dass ich mich über 2 Jahre mit jemandem abgemüht habe, der 2 Häuser weiter wohnt. Mein Helfersyndrom brachte mich schon in manch dämliche Situation, aber 2013 setzte ich schlicht allem die Krone auf.  Anfang 2016 wollte ich dann unbedingt und sofort alles ändern, mich von allem frei machen. Tja, Berlin halt. Da geht alles seinen eigenen Gang. Und so „musste“ ich weiter in der Bude ausharren, machte sie mir doch endlich gemütlich. Und vergaß, wer neben mir wohnt. Nicht, dass er es mich hätte vergessen lassen… Aber statt abgestumpft fühlte ich mich schlussendlich immer freier. Kein Zugzwang, kein Umzugszwang. Kein Weglaufen mehr. Das, was ich am besten konnte, ließ mich Berlin nicht machen. Also blieb ich, hielt aus und merkte, dass es irgendwann nicht mehr anstrengend war. Daher: dieser Umzug ist, weil es ein spontanes Angebot war, und ich einfach Bock drauf hatte. No big deal.

Zum Abschluss dieser Wohnung lasse ich euch dann aber doch noch ne kleine Geschichte aus dieser Straße hier…

Getting rid of an illusion

Juni 2015
Vor zwei Wochen entdeckte ich IHN am Balkon gegenüber. Surfer-Typ, blondes Haar, braungebrannt, extrem lässig. Ich fühlte mich wie 15, als ich kleines Metal-Mäuschen diesen Typ Mann immer aus der Ferne betrachtete wie ein Studienobjekt. Auf welchen Typ Frau steht er wohl? Sportlich? Sicherlich. Oder völlig tussig? Man weiß es nicht. Auf unsportliche, schwarz tragende Außenseiterinnen sicherlich nicht. Der Typ Mann verschwand dann aber zügig wieder aus meinem Kopf, denn wozu sich mit etwas beschäftigen, was sicherlich niemals die eigenen Wege kreuzt? Und dann – 17 Jahre später – im Hochsommer in Berlin, tauchte er wieder auf. Surfer Boy. Ich wusste gar nicht, ob er mich überhaupt sah, ich jedenfalls blickte hoch zu ihm (welch interessante Symbolik), da sein Balkon ein Stockwerk weiter oben war. Ich wusste nicht, ob er überhaupt dort wohnte, oder nur zu Besuch war. In erster Linie hatte ich einfach Spaß daran, diesen braun gebrannten Schönling gegenüber anzugucken, wenn ich auf meinem Balkon Kaffee trank. Oder Bier. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, es würden sich flüchtig unsere Blicke kreuzen.
Eines schönen Abends saß ich mit meinem Mädel bei einem Bierchen draußen, da tauchte er wieder auf. Wir zwei gackerten wie Teenies rum und ohne jemals den selben Typ Mann gut zu finden – DEN da fanden wir beide echt schnucklig. Doch zack, er war nicht allein, und als ob sie (ja sie) gemerkt hatte, dass unser Abendprogramm von DVD schauen erstmal auf Balkonschauen verlegt wurde, gab es eine filmreife (unglaublich affige) Knutscherei. Nach einem Lachkrampf zogen wir es dann doch vor, die eigentliche DVD  „2 an einem Tag“ (Yeah, Chips und Schnulzen Samstag!) anzusehen.
Und schon verschwand Schönling wieder von meiner Bildfläche, wie vor 15 Jahren.

3 Wochen später…

Völlig verschwitzt wachte ich auf. Knappe 5 Stunden Schlaf intus, verquollenes Gesicht gratis obendrauf. Die Bude total staubig und eine Rumpelkammer. Als ich letzte Nacht nach 8 Stunden Fahrt wieder in Berlin ankam erwartete mich – nichts. Außer einer unaufgeräumten Wohnung. Ich schaffe es nämlich NIE, die Wohnung VOR einem geplanten Trip ordentlich und sauber zu halten. Niemals, nicht.

Wegen Hitze und Hund im Auto hatte ich gestern beschlossen, nicht eine weitere Nacht vor Ort zu verbringen, sondern die Nachtstunden zu nutzen – um Hund und mir einen Gefallen zu tun. Abkühlung gab es zwar keine, aber auch wenigstens keine beißende Sonne.
Kaffee. Kaffee ist ein guter Plan. Dann erst duschen, denn wozu duschen, wenn man sowieso gleich wieder eklig klebt. Also wankte ich schlaftrunken und klebrig in die Küche, zumindest den Kaffeeautomat schaffe ich es, freizuhalten. Ich weiß schon, warum. Immer noch völlig kaputt und irgendwie auch ziemlich angewidert davon, wieder im Moloch Berlin zu sein, verfrachtete ich meinen Körper auf den Balkon. Hund lag wie immer (nicht nur bei der Hitze) UNTERM Bett. Balkon? Kam nicht infrage. Aber noch knallte die Sonne nicht sonderlich runter, und um 9 Uhr morgens ist sonntags in meiner Straße sowieso tote Hose – und das Klima auf dem Balkon erträglich. Für jemanden, der lieber nach Schottland auswandern würde.

Mit halb geschlossenen Auge blinzelte ich zum Balkon rüber – dort wo vor einigen Wochen plötzlich ein schicker Typ aufgetaucht war, Typ Surfer-Boy, inkl. fetter Balkonknutscherei mit seiner Freundin. Aber nett anzusehen. Immerhin. Und was sehen da jetzt meine entzündeten Augen? Surfer Boy scheint auch schon (oder noch?) wach zu sein! Mit Gitarre bewaffnet schmettert ein einen Song nach dem anderen, angefangen mit – oh la la – love don´t cost a thing… So kann man also auch schmelzen, ganz ohne Sonne… Während ich diesen Umstand gleich fleißig meiner liebsten Freundin mitteilen musste – ja manchmal bin ich noch 15 – schien Surfer Boy mich zu entdecken. Dass so jemand mich überhaupt wahrnimmt, ne, also wirklich nicht. Zu allem Überfluss fing er auch noch an zu winken. Ja wie denn nun? Zurückwinken? Öh, geht klar. Das kann ich noch. Brav klatschte ich dann auch nach dem – dritten? – Lied Beifall und Surfer Boy verbeugte sich artig.
Perfekter Zeitpunkt um einen Abgang zu machen und Fellnase Gassi zu führen…

Doch, haha, manchmal bin ich ja dann doch waghalsig und ging einfach mal unter seinem Balkon Gassi. Erwischt! Von oben herab kam gleich mal ein Kompliment an meinen Hund. <3 Kurzs Geplänkel, dann auf Kaffee in 30 Minuten bei ihm geeinigt (ich konnte ja keinen in meine Bude lassen).

Den Abspann halte ich dann mal kurz: es gab keinen Kaffee. Dafür einen anlehnungsbedürftigen Typ, der halt gerne ne kleine, bequeme Sonntagsschmuserei gehabt hätte. Mit weniger bekifft sein, weniger Zahnpasta am Mundwinkel und ohne Bier um 9 Uhr morgens wäre ich da vielleicht nicht so kleinlich gewesen… so aber machte ich nach dem dritten Angrabschversuch ziemlich flott nen Abgang. Man(n) kanns ja mal probieren, ne? 😀

columns, Work

About love and other cars

Als ich ihn neulich beim Spazierengehen sah, war es um mich geschehen. Ein bisschen zu alt, ein bisschen zu derangiert. Und ich wusste, wäre er mein Begleiter, würde ich eines Tages laut schimpfend dagegentreten, ihn hassen, verfluchen und gleichzeitig tief in meinem Herzen genau wissen, dass ich ihn trotzdem liebe. Diesen Schrotthaufen. Diesen alten Geländewagen. Man muss ihn doch einfach mögen. Ich KANN nicht anders, als ihn einfach zu mögen. Mit all seinen Macken und auch all seinen guten Seiten. Und da fiel mir auf, dass es exakt das Gefühl ist, dass ich bei einem Mann haben möchte. Sehen, fühlen. Habenwollen. Und wissen, dass es nicht die „Perfektion“ ist. Sondern echt. Diese bedingungslose Zuneigung, die auch die ganzen „Features“ nicht beeinträchtigen kann. Man findet ihn schlicht toll. Nicht weil man perfekt ist, sondern weil man füreinander perfekt ist. Weil man weiß, worauf man sich einlässt – oder eben genau nicht. Dieses rostige Überraschungsei… mit der ein oder anderen Delle. Jeder hat seine Geschichte, seine Vergangenheit, seine Narben. Keiner ist mehr ein unbeschriebenes Blatt Papier… und das ist auch gut so. Manchmal ruckelt es, manchmal hasst man sich – und muss doch beim Gedanken an ihn einfach schmunzeln … Liebe halt. Kein glatter Hollywood-Streifen, sondern ein Independent-Film mit Ecken und Kanten.

Und hier haben wir tatsächlich einen Landy aus einem Kaufhaus rausgeholt… bei der Aktion superliebe Menschen kennengelernt (und später in Portugal besucht, Danke!)

 

 

columns, Work

Strawberries, cherries and an angel’s kiss in spring

Mein allererstes Date (2013), das ich einer mittlerweile echt bekannten Datingapp (nicht Tinder, ich glaube dafür bin ich wirklich zu alt) verdanke…

Altbekanntes Problem: Auf Fotos sieht man immer anders aus als in echt. Man WIRKT anders, man IST anders. Gestik, Mimik, Attitüde machen einfach eine Menge aus. So manchen Gesellen erkennt man aber wirklich nicht wieder. So geschehen – nicht nur – in diesem Fall.

Zwangloses, gemeinsames Gassi war der Plan. Frau mit Hund (ah Mist, ich hatte da noch gar keinen. Also Hund. Und Mann) sucht Mann mit Hund, oder so. Spontan war das Ganze auch noch – Pluspunkt. Weit voraus planen kann ich nämlich nicht, bzw. kann ich schon, klappt halt dann nur nie. Also ich mich ins Auto geschwungen, den Herrn plus Hund abgeholt (wasn Service von mir, aber Frau muss ja auch echt Einsatz zeigen) und ab ins Hundeauslaufgebiet, manche Menschen ohne Hund nennen es auch einfach Wald.

Stopp! Erster Schreck kam schon beim Einsammeln: Knuffigster Hund, aber das Herrchen, ohjemine, welche Fotos hat der denn bitte genommen? Also nicht falsch verstehen, Quasimodo war das nicht, aber irgendwie doch einfach jemand ANDERS. Na jut, woll ma mal nich so sein, dacht ick so bei mir, kieken wa einfach mal.

Also liefen wir da so, mit Hund. Der Funke wollte nicht so wirklich überspringen, Gespräche waren auch eher müßig. Beim Badestrand angekommen hab ich gleich mal zielsicher den Platz neben den zwei barbusigsten Frauen, die ich finden konnte, ausgesucht. Mal kucken, ob er den Wink versteht. Natürlich. Nicht. Die meiste Zeit war er aber – zum Glück – eh damit beschäftigt, seinen Hund irgendwie bei uns zu halten. Ich hätt mich ja gern zusammen mit dem Hund verpieselt, aber das war nicht drin. So unhöflich bin ich dann doch nicht, jemanden einfach sitzen zu lassen. Auf dem, für mich langersehnten, Rückweg kam dann aus heiterem Himmel die Anweisung (!!!) ich möge mich doch bitte unter den Baum da vorne stellen. Eigentlich dachte ich, er meinte seinen Hund. Ne, tat er nicht. Abenteuerlustig wie ich nunmal so bin, stand ich 5 Minuten später unter einem Baum. Mit gelbem, klebrigen Pollenzeug. Die Pointe nimmt eigentlich der Titel schon vorneweg, aber um es noch einmal in aller Deutlichkeit laut in die Welt hinauszubrüllen: der Typ kam an, schüttelte und rüttelte wie ein Blöder an dem Baum, es rieselte lauter gelbes, klebriges Zeug auf mich drauf und er grinst mich freudestrahlend mit den Worten „naja stell dir einfach vor, es sind Kirschblüten“ an…

Also „Strawberries, cherries and an angel’s kiss in spring“ waren das ja nun mal so gar nicht..

columns, Work

Quatschpuppengesicht

Mir einst vom ehemals „besten Freund“ (ja solche Freunde braucht man wirklich… narf) verpasst, lässt mich dieses „Quatschpuppengesicht“-Ding nicht so wirklich los. Grund für den „netten“ Seitenhieb war eigentlich nur, dass ich oft und gern einfach angequatscht werde. Von der älteren Dame im Lidl hinter mir, die mich interessiert fragt, ob denn dieser Haferdrink schmecke, oder ob der Postbote meine Nummer haben will. Aber meine Güte, wir sind in Berlin, ein Haifischbecken, in dem sich auch vermeintlich glückliche Paare oftmals so prompt trennen, dass ich ungläubig staunend danebenstehe. Die Leute hier sind halt mal lauter, direkter und offener. Meistens. Ick mag das. Meistens. Außerdem sehe ich nicht ein, ständig mit mieser Laune durch die Gegend zu laufen, nur damit ja keiner auf die Idee kommt, mich was zu fragen.

Also führe ich das Ganze mal ad absurdum und mache gleich ne eigene Kategorie draus: Fräulein Quatschpuppengesicht. Macht das Wörtchen nicht charmanter, den „besten“ Freund nicht besser, aber hey, irgendwas Positives kann man auch dem noch abgewinnen.

So genug gelabert. Unter der besagten Kategorie finden sich ab nun einfach in knappen Worten meine Begegnungen der Woche/des Monats/whatever.

columns, Work

Judith und…

also, dieses Ding mit dem Online Dating und so.

Ich versteh das Prinzip ja irgendwie immer noch nicht so ganz (erklärt vermutlich mein Abmelden auf diversen Plattformen, außer bei denen, die ich zu Forschungszwecken noch brauche).

Ich würde ja sogar FB löschen, wenn ich das nicht irgendwie doch ständig nutzen würde. Apropos FB und Online Dating (die Logik kommt schon noch, hoff ich zumindest). Ich bin ja schon grundneugierig. Mindestens so sehr wie misstrauisch. MINDESTENS! Ich stöbere gerne im Internet und bin bei Recherche fast unschlagbar. Aber! Ich musste feststellen, dass ich bei Menschen, die ich im realen Leben kennenlerne (ja das kommt tatsächlich auch noch vor), eigentlich so gar nichts auf FB mit denen zu tun haben will – BEVOR man sich richtig kennt. Der Grund ist ganz einfach, auf FB teilt jeder irgendwie alles. Blöde Sprüche, Vorlieben, Musik, Filme, Veranstaltungen. Möglicherweise kriegt man sogar das Beuteschema mit, lernt gleich noch Verflossene „kennen“ und und und. Will man das? Kennt man sein FB-Profil, kennt man ihn. HALT. Nö.
Das wäre eine genau so dumme Schlussfolgerung, wie wenn man denken würde, ich wäre verzweifelter Single und/oder würde im Akkord daten. Is nicht. Bis mich mal einer interessiert vergehen Dekaden, jaaa Dekaaaaaden (und da Säugetiere mindestens genauso gut rechnen können wie Fische ergibt das ganze schon so Sinn). Und meistens isser dann irre. Hust. Wieso ich hier über manche Treffen (die sich in den letzten drei Jahren irgendwo sammelten) schreibe? (Ich könnte überhaupt mal anfangen, darüber zu schreiben, ne?) Weil es absurde, lustige und durchaus auch gruselige Treffen waren, die viel zu schade zum Behalten sind. Als gefühltes Einzelkind teile ich zwar ungern mein Essen, aber als mitteilungsbedürftige Waage kommen überspitzte Darstellungen vom Berliner Balzverhalten eben online. Das ist das ganze Geheimnis. Außerdem ist das schließlich ne Unterhaltungsseite und kein Tagebuch.

 An manchen Tagen sollte ich, wenn ich schon mit dem Ohrring in den Dielen hängenbleibe, einfach liegenbleiben. Nur mal so.

all about dogs, Dogs

Zuza und….

die Religionspädagogin.

Hundebetreuungs-Casting, Teil 1:

Kurze Version:

Da ich nun nicht mehr als Selbstständige permant zuhause rumgammle (wieso wird dieses durchgestrichene nicht im Vorschautext angezeigt? Verflixte Technik!) fleißig an meiner Karriere schraube, sondern wohl ab August gute 40 Stunden pro Woche außer Haus bin, braucht Madame ein wenig Zuwendung zwischendrin. Ganztagesbetreuung kommt nicht infrage, da selbst bei ihren liebsten Spielkameraden eine Stunde reicht und Zuza dann wieder ihre Ruhe haben will. Also einfach mal jemanden suchen, der täglich gegen Bezahlung ihr ein bisschen Aufmerksamkeit widmet und sie kurz „ausleert“ 😀 (für die ausführlichen Sachen bin ich nach wie vor zuständig).

Der erste Endgegner Kandidat:

Kurzes Telefonat vorab, klang ein wenig südlich (Heimatbonus, oha!), ein wenig älter (hm, liebe Omi?) und naja, mehr oder minder kompetent. Also spontan eingeladen.

Alles in allem lässt sich das ganze so zusammenfassen: korrekte Granny Nanny mit göttlichem Pädagogik-Hintergrund trifft zuerst auf tätowierte Beine, die in schwarzen Hotpants stecken (also mich) und dann auf felliges Etwas, das knurrend unterm Bett verschwindet. Kurzes Gastspiel, würde ich das nennen.